Streitende Silhouetten

Kommuniaktion- ein Einblick in Transaktionsanalyse

Ein paar Monate nach der Geburt bringen Eltern ihrem Kind das Sprechen bei. Und dann ist es damit alleine. Jetzt wird es Zeit Kommunikation nochmal zu hinterfragen. Und wie sich die Sicht durch Kinderaugen auswirken kann, sieht man da sehr gut.

Wenn der Mensch kommuniziert…

Wer kennt es nicht, wir fragen einen Spezialisten und er erschlägt uns mit Fachjargon. Professionelle Spezialisten bleiben mit uns auf Augenhöhe oder zumindest freundlich und respektvoll, erklären bei Bedarf in leichter Sprache. Diese Tatsache kann man auf jede Situation herunterbrechen, in der Menschen kommunizieren und viele Missverständnisse werden dadurch erklärbar. Es gibt natürlich das 4-Ohren-Modell von Schultz von Thun, aber ich möchte heute eine andere Analyse an einem Beispiel nahe bringen. Ähnlich wie bei Freuds „Über-Ich, Ich und Es“ gibt es eine Analyse die hinterfragt die ähnlich aufgebaut ist wie Freuds Einteilung, nur heißen diese Ebenen in der Kommunikation der Transaktionsanalyse nach Eric Berne Eltern-Ich (EL), Erwachsenen-Ich (ER) und Kind-Ich (K). Welche der persönlichen „Ebene“ spricht und welche angesprochen wurde. Und in welcher Ebene die Antwort diese Aktion verarbeitet und entscheidet oft über den Ausgang des Gespräches. Lassen Sie es mich an einem Beispiel erklären. Die Frau sagt zum Mann: „Wieso hast du denn Müll nicht mitgenommen?“ Diese einfache Frage hat so viel Dynamit im Gepäck. Doch der gewitzte Mann kann das klar kontern, wenn er das auf der richtigen Ebene empfängt.

Angenommen, das EL spricht hier, dann wird es belehren wollen. Der Mann kann dann als EL antworten und auf Augenhöhe kann ein Streit entbrennen der das Potential hat die Umzugsfirma zu kontaktieren. Beschuldigungen und Vorwürfe bringen leider den Müll auch nicht runter. Und niemand hat gewonnen. Das beschuldigte Kind im Mann könnte dagegen trotzig reagieren und kontern: „Immer bin ich dran mit Müll!“ Auch das ist wenig zielführend wie Sie sich denken können und der Müll bleibt wo er ist. Eine Lösung könnte sein, diesem Vorwurf den Wind aus den Segeln zu nehmen und als ER das Ruder zu übernehmen: „Tut mir leid Schatz, ich gehe nochmal.“ Spätestens die frische Luft draußen wird für Abkühlung in dieser hitzigen Situation sorgen.

Doch wer spricht?

Schauen wir auf die Sprecherin und gehen wir nun davon aus, das Kind hat vorwurfsvoll agiert: „Wieso hast du den Müll nicht mitgenommen?“ Trotzig fühlt das Kind sich zu Unrecht wieder eingespannt. Der EL könnte nun antworten, dass er immerhin lange gearbeitet habe und mit ein wenig Glück kommt der wahre eheliche Sohn und übernimmt den Job, weil er das Gezanke der Kinder nicht leiden kann. Ups, da hat der Sprössling wohl die Rolle des ER übernommen, klar, EL und K streiten ja auch. Zurück zu den Streitenden, sich gegenseitig erziehenden „“Eltern“. Nun, zu leicht wird aus zwei Erwachsenen ein Eltern-Kind-Gespann – zumindest in diesem Beispiel für Kommunikation gesehen. Fühlt das K des Mannes sich angesprochen, nun es ist wohl klar, wie ein Streit zwischen dem anklagenden K und dem angeklagten K aussieht, richtig wie im Kindergarten, die Schippe bekommt der eheliche Sohn. Ein ER der wieder rettet könnte jedoch gesagt haben: „Oh, Sorry. Ich stelle ihn schon mal an die Tür, der Sohn will nachher weg und wird ihn mitnehmen.“ Oh, hier hat offenbar stets der Sohn das Nachsehen. Immer bleibt der Müll an ihm hängen!

Das können wir besser!

Fragt nun tatsächlich die Frau als ER, dann ist es eine Frage, die echt ist. Es schwingt kein Vorwurf mit, es ist reines Interesse. Lässt sich der Mann nun anklagen? Fühlt er sich ertappt? Oder ist er Mann genug zu erkennen, dass er tatsächlich einfach nicht daran gedacht hat. Hier ein kleiner Einschub von mir: Bitte sehen Sie in dem Beispiel keinerlei Angriffsfläche für eine Rollenverteilung. Fühlen Sie sich frei die Rollen der Kommunizierenden aus dem Geschlecht zu besetzen mit dem Sie sich wohl fühlen. Das war lediglich ein Beispiel einer Transaktionsanalyse, man kann es weiter aufspalten, Kommunikation analysieren und viele Erkenntnisse gewinnen. Dennoch bleibt das Prinzip das gleiche: Wer spricht, wer antwortet? Auf Augenhöhe kann man eine Konversation ewig fortführen, man kann jemanden auch von seinem hohen Ross runter holen oder ihn hochziehen, damit er den Wald in den Bäumen sieht. Die Frau in dem Beispiel hat einen Grund wieso sie agiert wie sie agiert. Und auch der Mann hat den Tag schon gelebt. Vielleicht achten Sie demnächst darauf wer da eigentlich mit Ihnen spricht und auch, wer da im Begriff ist zu antworten. Vielleicht kann der Erwachsene in Ihnen ein ausweichbares Missverständnis verhindern.

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