Uhr im Strudel

Hypnose – zwischen Schlaf und Bewusstsein

Direkt auf das Unterbewusstsein einwirken, einfach und ganz bewusst, das ist Hypnose. Neugierig?

Bewusstsein

Hypnose ist kein Hokuspokus und es ist auch kein Schlaf. Es ist ein Bewusstseinszustand zwischen schlafen und wach sein. Schauen wir uns dafür zunächst unser Bewusstsein an. Es gibt unterschiedliche Formen von Bewusstsein und auch viel, das darüber erzählt wird. Wenn du etwas tust und dich darauf konzentrierst, nimmst du es bewusst wahr, weil sich deine Aufmerksamkeit darauf richtet. Nun geschehen Dinge in unserem Leben die so vielfältig sind, dass wir sie zwar wahrnehmen, aber sie direkt wieder hinten über fallen. Das passiert nicht, weil unser Gehirn zu wenig Kapazitäten hat oder nicht könnte, sondern weil es direkt ausgefiltert wird. Es ist also nicht so, dass die Erlebnisse wie Wasser sind und unser Gehirn wie ein Glas, das zu klein ist. Es ist mehr so, als ob das Wasser erst durch ein Sieb muss – was nicht passt, unwichtig ist oder nicht im Fokus geht nicht durch. Das Sieb ist eine Art Filter oder Wächter, ein Aufpasser, der immer achtsam wahrnimmt was um uns herum passiert. Übrigens hat es seinen Grund warum ich dich in diesem Text Duze, auch wenn wir uns nicht kennen und der ist auch ganz einfach: Unser aller Bewusstsein ist nicht förmlich, es kennt kein „Sie“ und es kennt kein „Nein“. Das kannst du ganz leicht überprüfen: Stell dir keine Zitrone vor. Klappt nicht, oder? Sage ich doch: Das „Nein“ wird erst erreicht, wenn das Bild schon längst gelb, saftig und sauer schmeckt.

Unterbewusstsein

Was genau wird denn nun ausgefiltert? Nun, nicht nur für uns Uninteressantes, auch was unser Unterbewusstsein gefährdet, unser Wesen, unsere erlernten Muster. Bei uninteressanten Dingen ist es so wie der Mann, der nicht bemerkt, dass seine Frau beim Friseur war oder das Kind, das mit krümelndem Keks über den frisch gewischten, vielleicht noch nassen Fußboden stapft – vielleicht hast du ein Bild vor Augen. Die Aufmerksamkeit ist vollkommen auf etwas anderes gerichtet und nun, wir können uns schon auch aus biologischen Gründen nicht auf alles bewusst konzentrieren, weil wir eben nur eine recht übersichtliche Anzahl an Augen haben und nicht sehen können was hinter uns ist. Ein Laie wird auch nicht jede Geschmacksnote aus den zu Boden gefallenen Kekskrümeln schmecken können und ein nicht geübter Mensch nicht den Motor anhand seines Klanges identifizieren. Es ist alles auch äußerst individuell.

Noch individueller als die Qualität und Quantität der zugelassenen Eindrücke ist jedoch der Schutz des bereits Verinnerlichten. Ein Beispiel. Ein Kind, das stets von seiner Umwelt gehört hat, dass es nicht gut ist, dass es dumm sei, wird diese Erinnerung abspeichern und verrückterweise schützen wie einen Schatz. Es ist ein erlerntes Muster und der Wächter weiß die Muster zu schützen. Das ist sehr gut, weil unsere Erinnerungen wichtig sind, das kann aber auch ein Hindernis sein, wenn etwas schief gelaufen ist und uns behindert. All diese Muster, Erinnerungen und Gewohnheiten sind hier gespeichert. Unser Wesen liegt in diesem, geschützten Bereich: dem Unterbewusstsein. Hier wird entschieden wie wir uns verhalten, was wir annehmen, was wir fühlen. Ein wenig kompliziert, dass wir das nur schwer ändern können, nicht wahr?

Unbewusst, nicht unterbewusst

Menschen sind komplex, es gibt mehr als Frontend und Backend, heißt mehr als das was man sehen kann und das, was programmiert ist, es gibt auch noch eine Hardware, unseren Körper der instand gehalten werden muss. Das tut unser Unbewusstsein. Es achtet darauf, dass unser Körper atmet, das Herz schlägt, wir nicht auskühlen, die Verdauung funktioniert und die Muskeln immer eine gewisse Spannung halten. An der Aufzählung hast du sicher schon gemerkt, auf manches davon haben wir Zugriff, auf anderes nicht. Wir können die Muskeln anspannen, aber wir können nicht bewusst unser Herz anhalten. Wir können die Luft anhalten, aber wir können nicht bewusst aufhören zu verdauen und wir können nicht bewusst unseren eigenen Tod durch das Anhalten der Luft herbeiführen. Unser Körper ist ganz schön durchdacht, wenn denken hier das richtige Wort ist.

Diese Aufzählung zeigt eines auch ganz klar, die Grenzen sind nicht trennscharf, es gibt Funktionen die auf alle Bewusstseinsstufen greifen, und andere, die wir nicht bewusst steuern können. Ohne die grundsätzliche Funktion unseres Bewusstseins zu verstehen ist das Begreifen der Hypnose jedoch nicht möglich. Es ist zwar möglich auf Funktionen bewusst zuzugreifen, aber die Möglichkeiten sind begrenzt, wie man an der Atmung gut sehen kann. Apnoe-Taucher können das trainieren, aber bewusst aufhören zu atmen, das wird nicht funktionieren, dazu hat unser Körper Vorkehrungen getroffen. Ich finde das System in welchem Maß Körper und Psyche miteinander im Einklang funktionieren und sind erstaunlich

Was ist Hypnose?

Sie können es glauben oder nicht, aber es gibt eine Möglichkeit den Wächter des Unterbewusstseins in Pause zu schicken. Es ist möglich diese Erinnerungen zu ändern, Erlebnisse „zu Ende zu leben“. Zurück zum Beispiel mit dem Kind. Stellen wir uns vor dieses Kind hätte von Anfang an liebende Eltern und wohlwollende Lehrer gehabt. Es wäre angenommen und bedingungslos geliebt worden, was hätte aus ihm werden können? Und dabei spielt auch noch eine Rolle, dass die Umwelt auch nur aus Kindern ihrer Zeit besteht, mit eigenen Lasten. Die Eltern meinten es vielleicht nur aus Ansporn und das Kind hat eben reagiert wie ein Kind, mit den begrenzten Möglichkeiten eines Kindes und mit den ungestillten Bedürfnissen. Doch auch diese Erkenntnis hat dem Erwachsenen nicht die Einsicht gebracht, dass er als Kind gut war wie er eben war und wertvoll.

Aber auch weniger dramatische Gegebenheiten können großen Einfluss haben. Sagen wir eine isst unwahrscheinlich gern Äpfel. Nun hat sie in einen verdorbenen Apfel gegessen und das hat einen Wurm das Leben gekostet. Da die Frau Vegetarierin ist, ist ihr der Appetit auf Äpfel gehörig vergangen – es war wie ein „kleines Trauma“. Es ist eine Möglichkeit es dabei zu belassen, oder aber wir verarbeiten das – armer Wurm, aber deswegen nie wieder Äpfel essen? Durch viel Kampf kann dieses neue, unerwünschte Muster abtrainiert werden. Ein neues Muster in unserem Gehirn zu schreiben erfordert jedoch Zeit, ungefähr sechs Wochen sagt man, im Fall des Apfels jedoch auch Überwindung. Nun, die Hypnose kennt einen Trick.

Trance im Alltag

Vielleicht hast du schon mal erlebt, dass du bei der Arbeit in den Flow gekommen bist und die Zeit nur so verflog. Oder du bist Auto gefahren und hast am Ziel nicht mehr sagen können, ob alle Ampeln wirklich grün gewesen sind. Da warst du auch in einer Art Trance. Hypnose ist eine Trance, kein Hokuspokus, Hypnose ist ein normaler Zustand. Der Unterschied von Flow oder dem Zustand beim zum Beispiel Autofahren und Hypnose ist, dass Hypnose bewusst herbeigeführt wird. Ein Vergleich: Hypnose ist kein Schlaf, denn der Hypnotisant ist wach und kann auch sprechen, ohne die Trance unterbrechen zu müssen. Der Eintritt ist dennoch dem Schlaf nicht unähnlich. Wenn du in den Schlaf fällst, passiert das nicht bewusst, irgendwann schläfst du einfach, lässt die Welt für ein paar Stunden Welt sein. Wenn du hypnotisiert wirst, in Trance fällst, lässt du bewusst los, entspannst dich, öffnest deinen Geist und der Wächter darf sich mal erholen. Dann ist dein Unterbewusstsein offen für neue Suggestionen, für neue Bewertungen alter Situationen. Kurz bevor du schläfst, bekommst du auch noch alles mit. In Trance bist du auch kurz bevor du schläfst.

Die meisten fragen an diesem Punkt, ob das nicht gefährlich ist, so an einem Unterbewusstsein herum zu manipulieren. Dazu ein ganz klares Jein. Du weißt, es gibt Menschen mit krimineller Energie. Lass mich einen Vergleich ziehe: Das ist ähnlich wie mit einem Messer zu kochen und Menschen zu versorgen oder mit dem gleichen Messer Menschen zu töten – zwei Seiten einer Medaille und Hypnose ist ein machtvolles Werkzeug. Aber keine Angst, denn du wirst auch in Hypnose nichts tun, dass deinen Werten widerspricht. Niemand wird dich dazu bringen jemandem etwas anzutun, dich nackt auf die Straße zu stellen oder dir deine PIN zu verraten, das widerspricht in zu großem Maß deinen Wertvorstellungen. Das ist wie ein Tresor, den nur du siehst. Es ist als hätte besagtes Messer eine Sicherung, die nur bei Obst, Gemüse und totem Fleisch funktioniert. Ja, und bei Pilzen (Nein das ist kein Gemüse, so am Rande).

Die Trance

Wenn du in Trance bist gibt es unterschiedliche Tiefen. Unterscheiden können wir grundsätzlich drei, die der leichten Trance, der mittleren Trance und die der tiefen Trance. Der Übergang ist hierbei fließend, wir sind immerhin keine Maschinen. Dennoch ein paar Kennzahlen:

  • In der leichten Trance breitet sich eine tiefe Entspannung aus.
  • Bei geschlossenen Augen können wir leichter in Trance gehen.
  • In der mittleren Trance wird die Atmung langsamer, die Augenlider schwerer und die Entspannung beginnt so tief zu werden, dass du sie festhalten möchtest.
  • In der tiefen Trance ist dein Erinnerungsvermögen stark geschärft, der Wächter passt nicht mehr auf, dass du Dinge verdrängst. Dein Unterbewusstsein ist offen für die Bearbeitung falscher Muster und das Auffangen und beenden nicht zu Ende gelebte Situationen.
  • Die Trancetiefe kann der Hypnotiseur mit hypnotischer Sprache und Vertiefung verstärken – es gibt Indikatoren die der Überprüfung dienen.

Hypnose kann an vielfacher Stelle genutzt werden: Entspannung, Stärkung des Selbstbewusstseins, Schlafstörungen, Gelassenheit, Gewichtsreduktion, Rauchentwöhnung, die Möglichkeiten sind schier endlos. Der Hypnotiseur führt dich dazu in Trance und vertieft diese bis zum gewünschten und zugelassenen Punkt – kein Hypnotiseur wird dich gegen deinen Willen hypnotisieren. Wenn du dir denkst: „Das schafft der nie bei mir!“, wirst du Recht behalten und kein guter Hypnotiseur wird versuchen dich gegen deinen Willen zu manipulieren – wobei auch gilt, dass man nicht nicht manipulieren kann, denn jeder tut Dinge aus einem bestimmten Grund, nicht wahr? Allerdings ist es die Anstrengung nicht wert jemanden zu überzeugen, der nicht möchte, wozu diese Kraft aufwenden?

Der Hypnotiseur

Die Wahl des Hypnotiseurs spielt eine erhebliche Rolle. Er sollte dir ein gutes Gefühl geben, sich Zeit für dich nehmen und er sollte wissen wovon er spricht. Dabei ist es gar nicht so wichtig, dass er schon jahrelang Erfahrung gesammelt hat. Ein Hypnotiseur, der schon 20 Jahre praktiziert, hängt in der Technik vielleicht hinterher. Einem neuen Hypnotiseur fehlt vielleicht die Übung und er braucht zwei Termine, die aber günstiger sind und dir mehr Zeit geben dich darauf einzustellen. Vielleicht gibt es dir Sicherheit jemanden zu engagieren, der Erfahrung hat, vielleicht magst du aber lieber jemanden, der frisch und motiviert ist. Abgesehen von der Erfahrung wählst du vielleicht jemanden, der in deiner Nähe praktiziert. Vielleicht möchtest du jemanden, der eben nicht in deiner Nähe ansässig ist. Fühlst du dich wohler bei einer Frau oder einem Mann? Bei allen möglichen Variationen solltest du vor allem auf eines hören: Auf deinen Bauch. Fühlst du dich bei dem Hypnotiseur oder der Hypnotiseurin wohl? Magst du die Praxis? Die Stimme? Fühlst du dich ernst genommen? Stimmt der Preis? Es sollte möglichst vieles passen, denn ohne Vertrauen, ohne dich wohl zu fühlen wirst du nicht loslassen können und die Hypnose ist zum Scheitern verurteilt. Hast du den richtigen Menschen gefunden, halte ihn fest, was dir durch die Abkürzung der Hypnose winkt ist der Gewinn von Lebenszeit. Schreibe neue Muster – schnell, einfach und ohne Umweg durch sieben Wochen Kampf.

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